Aber die eigene Blindheit kann man anderen nicht vorwerfen, oder?

» Ich bin mit dem Rennrad beinahe in Jugendliche auf dem eScooter gekracht,
» weil sie in Schlangenlinie entgegen der Fahrtrichtung auf dem Fahrradweg
» fuhren…

Halt mich für altmodisch, aber ich finde das Konzept »vorausschauend fahren« gehört von jedem verinnerlicht. Wenn Du also etwas, was Dir auf Deiner Spur entgegen kommt, zwar so genau studieren kannst, dass Du a) Jugendliche ausmachst, b) den e-Scooter erkennst, der c) in Schlangenlinien fährt, dann passt das »beinahe gekracht« irgendwie nicht so recht dazu. Für jeden Verkehrsteilnehmer gilt, seine Geschwindigkeit auf Sichtweite und Anhalteweg abzustimmen.

Aus der Sicht eines Fußgängers auf dem angrenzenden Gehweg wärst Du dagegen vielleicht der Fahrrad-Raser (ist ja schließlich ein Rennrad!einself!) gewesen, der haarscharf und lautlos an ihm vorbeigeheizt ist, und ihm so einen Schrecken verpasst hast, dass er fast ins Stolpern geriet.

Und da merkste vielleicht, dass das Konzept »Sinn« denkbar schlecht ist, wenn man es nur aus einer egozentrierten Sichtweise heraus anlegt, da fehlender Sinn oder gar unsinniges Verhalten immer nur bei den anderen zu finden ist.

» IMHO gehören sie nicht in eine Stadt mit den ganzen Fahrzeugen, die Du so
» schön aufgeführt hast.
»

» Das Problem mit der Gelassenheit: vorgestern wurde beinahe mein Sohn (5)
» auf dem Fußgängerweg angefahren, weil er dort mit dem Bike lang fuhr.
» Leider war der SUV eines Seniors zu groß für die Innenstadtstrasse -
» sodass er mal kurzerhand beim Wenden auf den Fußweg fuhr. Leider konnte er
» meinen Sohn nicht sehen, da der klein ist, an einem Kastenwagen lang führ
» und der Senior beim Gas geben in die entgegengesetzt Richtung sah, damit er
» nicht den Poller rammte…

So, und nun stell Dir Situation vor mit einer Fahrerin oder einem Fahrer in Deinem Alter, mit allen Sympathien oder sogar leichtem Herzklopfen, weil Dir der Mensch sogar gefällt. Und tausch den SUV gegen einen französischen Kastenwagen mit Korsika-Aufkleber oder einem VW-Camper mit obligatorischem Elch-Umriss am Heck.
Im Prinzip genauso sinnentleert in der Stadt, oder? Aber trotzdem was anderes, sonst hättest Du sie aufgezählt.

Ich glaube, dass Sympathie ein schlechter Wegweiser ist, um die zweifellos vorhandene Verkehrsproblematik sinnvoll zu bewerten. Wären in der Situation sowohl SUV als auch parkender Transporter e-Scooter gewesen, dann wäre Dein Sohn vermutlich in keiner Sekunde in Gefahr gewesen. Bei einem Golf und parkendem Durchschnitts-PKW hingegen schon. Das zeigt zumindest, dass es sinnvoller sein könnte, sich auf wirklich starke und vor allem zahlreichere Gegner im Verkehrsraum zu konzentrieren, um ihn insgesamt sicherer zu machen.
Und auch hier darf der Perspektivwechsel nicht fehlen: Es gibt sicherlich genügend Leute, die auch kleinen Verkehrsteilnehmern auf Fußgängerwegen den Sinn absprechen. Sollen die Kinder halt auf dem Land aufwachsen, ist ja keiner gezwungen, in der Stadt zu wohnen. (Womit wir wieder bei der egozentrierten Sicht sind.)

»
» Auf manchen Strassen in unserem Viertel (Innenstadt) kommen Mütter mit
» Kinderwagen mitunter nicht über die Strasse, weil die Autos Stoßstange an
» Stoßstange stehen…
»
» usw. usf.

S.o.
»
» Klar sind auch immer diejenigen Schuld, die solche Fahrzeuge steuern und
» benutzen - es ist aber ein Systemfehler und ein weiteres - eher
» spaßbetontes Fahrzeug - macht da in meinen Augen keinen Sinn mehr. Es gibt
» genug vernünftigere Alternativen.
»
» Aber drehen wir den Spieß doch mal um: was sind denn die Vorteile von
» eScootern?

Was sind die Vorteile von Inlineskates, Rennrädern und sonst was? Schusters Rappen oder ein Hollandrad täten es doch auch. Der Vorteil liegt offensichtlich einzig und allein im Spaßempfinden des Fahrers. Deshalb kann es imho nicht darum gehen, willkürlich zu bestimmen, dass mit x Spaß erlaubt ist und mit y dagegen verboten. Es ist Augenwischerei, dass damit die strukturellen und konzeptionellen Verkehrsprobleme entschärft oder gar umgangen würden.

Ja, e-Scooter sind nicht geeignet, grundlegende Verkehrsprobleme zu lösen. Aber sie verschärfen sie eben auch nicht grundlegend. Sie sind neu, die Fahrer selbst wie auch andere Verkehrsteilnehmer müssen – wie mit allem neuen – den Umgang damit lernen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.