Ich bin gerne auch sehr skeptisch. Und ich hinterfrage besonders gerne die Motivation.

Und selbstverständlich ist das US-amerikanische Spending nicht so altruistisch motiviert, wie wir es im alten Europa gerne sehen. Aber es ist effizient und auch - und das ist das entscheidend - nachhaltig.

Beispielsweise könnten die ganzen Ivy League Universitäten ihren Status kaum halten, ohne die Zuwendungen ihrer Alumni. Und ich hätte dort nicht ohne ein Stipendium studieren können, das extern finanziert wurde.

Letztendlich ist das private Engagement drüben weitaus ausgeprägter als hier, wo der Malerbetrieb schon eine besondere Beachtung bekommen will, wenn er die Farbe spendet, die für den Klassenraum notwendig ist. Den Pinsel haben die Eltern geschwungen.

Lange Jahre habe ich in der Elternvertretung, die Geschicke der Schule begleitet. Auch das Einwerben von Sachspenden - von Geldspenden war noch nie die Rede - war ein mühsames Unterfangen und jetzt im Verein der Ehemaligen weiterhin. Und es gibt viel zu tun.

Wir sind froh über jeden Euro - die individuelle Motivation oder ein Geltungsbedürfnis muss und kann mir nur egal sein. Und deiner These, es sei drüben „nur verlogener Mist“ kann ich nicht folgen. Das sah tatsächlich auch an der High School meiner Tochter in dem Jahr, das sie dort verbracht hat, auch nicht anders aus.

Ja,es ist nicht alles Gold in den USA, aber das bürgerliche Engagement ist dort weitaus ausgeprägter als hierzulande. Nur mein unmaßgeblicher individueller Eindruck.

Und der viel entscheidendere Eindruck ist, dass in der BRD gerne darauf vertraut wird, dass der Staat (und im Bildungsbereich die Länder) es schon richten werden. Der Alltag in den Schulen sieht aber anders aus. Weitgehend liederliche Ausstattung und nur dort, wo Elternvereine sich engagieren, sieht es besser aus. Hier wie drüben.
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»Wenn die Grenzen meiner Sprache die Grenzen meiner Welt sind, dann wollen Reaktionäre die Sprache eingrenzen, auf dass sich die Gedanken nicht entgrenzen.« (Ludwig Wittgenstein)