Was zeichnet denn einen »echten Musiker« (um Deine Formulierung aufzugreifen) auf? Ein begnadeter Pianist verliert durch einen …

… Unfall seine Finger und kann fortan nicht mehr spielen. Ist er dann kein Musiker mehr?

Er verwendet stattdessen technische Hilfsmittel, die es ihm über seine Füße ermöglichen dennoch einem Instrument elektronisch Töne zu entlocken. Ist er dann kein »echter« Musiker mehr?

Nun hat der Hersteller seiner Fußapparatur den Laden geschlossen, die Zeit hat aber eine Kategorie KI hervorgebracht, mit deren Mitteln er ohne die Hilfe seiner Hände und Füße durch die sprachgewandte Formulierung von Prompts dennoch Musik generieren kann. Ist er wirklich kein Musiker mehr?

Musik ist doch ebenso wie andere Tätigkeiten, auch Künste, von verschiedensten Tätigkeiten geprägt. Manche können einige davon, andere nur eine einzige.

Der eine spielt halt nur ein Instrument, ist vom Notenblatt abhängig, aber sehr fingerfertig in der Ausführung von Stücken, die andere komponiert haben, die vielleicht noch andere in Noten übersetzt haben. Der andere kann mit nahezu jedem Instrument »irgendwas« passabel Klingendes improvisieren. Und der nächste sitzt einsam an seinem elektronischen Tastenisntrument und komponiert und arrangiert orchestrale Werke, ohne je selbst einen Bogen über die Saiten eines Cellos geführt oder einen Ton aus der Tuba entlockt zu haben. Etc. pp.

Auf den kleinsten gemeinsam Nenner gebracht, kann man imho durchaus einen Trennstrich machen zwischen der musikalischen Idee im Kopf und im Gefühl und einer wie auch immer gearteten Ausführung die letztlich zum Werk wird. Warum so eine musikalische Idee nicht auch mit KI formuliert und hervorgebracht werden kann, erschließt sich mir nicht. Ein Musiker wird sich eben nicht wie Lischen Müller mit dem erstbesten Ergebnis zufrieden geben, sondern wie mit analogen wie elektrischen und elektronischen Instrumenten auch, weiter verfeinern bis das Ergebnis stimmt.

Die meisten Texter und Autoren dürften übrigens milde lächeln, wenn Du glaubst, »ein paar Sätze einzutippen« wäre dasselbe wie zielgerichtetes formulieren. Drei, vier Akkorde machen doch auch noch keinen Song.